Hintergrundinformationen zu DMP
Mögliche Kritikpunkte aus Patientensicht
Erfolg hängt stark vom ärztlichen und eigenen Engagement ab:
Obwohl die Rahmenbedingungen gleich sind, können gesetzliche Vorschriften alleine noch keine Therapie verbessern. Der Erfolg beruht hauptsächlich darauf, dass der Patient das neu gewonnene Wissen um seine Krankheit nutzt und seinen Beitrag zum Gelingen der Therapie leistet. Je nach Engagement des Arztes kann er die Möglichkeiten des Programms nutzen, um den Patient in seiner Kompetenz zu stärken und zu motivieren.
Eine Krankheit kommt selten allein...
Menschen mit einer chronischen Krankheit leiden oft an mehreren Erkrankungen. So sind z.B. Diabetiker häufig von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen. Ein Disease Management Programm, das nur auf Diabetes fokussiert ist und vor solchen Folgeerkrankungen schützen soll, greift zu kurz, wenn Begleiterkrankungen schon aufgetreten sind.
In einem solchen Fall kann der Diabetiker zusätzlich an einem DMP für z.B. Koronare Herzkrankheit teilnehmen - vorausgesetzt, sein bisheriger koordinierender Arzt bietet dies auch an. Allerdings ist dann eine vernetzte, ganzheitliche Betrachtung beider Erkrankungen schwierig, da Schnittstellen zwischen den Programmen fehlen.
Muss ein anderer Arzt als koordinierender Arzt gewählt werden, ist eine übergeordnete Strukturierung der Behandlung beider Erkrankungen nicht mehr möglich.
Wünschenswert wären Module zu den DMP für zusätzliche Erkrankungen, wie sie mit dem Modul "Herzinsuffizienz" beim DMP Koronare Herzkrankheit bereits umgesetzt wurden.
Wie frei sind die Programme wirklich?
In Deutschland besteht freie Arztwahl. Der gesetzlich versicherte Patient kann sich bei jedem Arzt mit Kassenzulassung behandeln lassen. Er kann sich auch ein Krankenhaus aussuchen oder direkt zu einem Facharzt gehen. Als DMP-Teilnehmer bleibt diese Möglichkeit weiterhin. Allerdings muss der Arzt, Facharzt oder die Klinik ebenfalls am DMP teilnehmen, damit die Dokumentationen regelmäßig erfolgen und bei der Krankenkasse registriert werden. Sonst riskiert der Versicherte, dass seine Teilnahme beendet wird. Möchte der Patient einen anderen koordinierenden Arzt wählen, so kann er dies tun, vorausgesetzt dieser nimmt am Programm teil.
Therapiefreiheit der Ärzte: In die DMP-Verträge werden Therapieleitlinien aufgenommen, die Empfehlungen zum Einsatz von Medikamenten und zur Behandlung geben. Als Leitlinie geben sie dem Arzt Anhaltpunkte, welche Therapien nach wissenschaftlichen Maßstäben wirksam und sicher sind. Allerdings erhalten die Leitlinien durch die Aufnahme in die DMP-Verträge Verordnungscharakter und sind bindend. Medizinisch begründbare Ausnahmen sind zulässig, wenn der Arzt den Patienten darauf hinweist, dass die Wirksamkeit und Sicherheit von anderen Medikamenten nicht in dem Maße wie bei den empfohlenen nachgewiesen sind.
Gewinnung von Teilnehmern: Die Teilnahme an Disease Management Programmen ist freiwillig. Die Krankenkassen wählen anhand der ihnen vorliegenden Leistungsdaten (Medikamente, Untersuchungen) diejenigen Versicherten aus, die wahrscheinlich an einer passenden chronischen Erkrankungen leiden. Diesen wird eine Teilnahme angeboten. Die korrekte Diagnose ist den Kassen nicht bekannt, so dass auch Versicherte ohne passende Diagnose angesprochen werden. Dies führt zu erheblicher Verunsicherung.
Da es vor allem in der Vergangenheit finanziell sehr lukrativ war, möglichst viele Versicherte in ein DMP aufzunehmen, glich die Teilnehmergewinnung mehr einer „Aufforderung“ zur Teilnahme statt einem Angebot.


